Prisma.
Szenarien statt Bauchgefühl: was eine Anlage in der Bandbreite tun könnte, gerechnet aus den Monaten, die sie tatsächlich hinter sich hat.
Prisma würfelt die historischen Monatsrenditen eines Titels ein paar tausend Mal neu durch und zeigt, welche Spanne dabei herauskommt. Keine Prognose, keine Glockenkurve, keine geglätteten Ränder. Diese Seite erklärt das Verfahren und sagt ebenso deutlich, wo es aufhört.
Eine Bandbreite ist ehrlicher als eine Zahl.
Die übliche Frage lautet: «Was wird aus 10 000 Franken in zehn Jahren?» Jede Antwort darauf, die aus einer einzigen Zahl besteht, ist eine Erfindung. Prisma. beantwortet stattdessen eine beantwortbare Frage: In welcher Spanne lag dieser Titel, wenn man die Monate, die er wirklich erlebt hat, in neuer Reihenfolge noch einmal durchlaufen lässt?
Das Ergebnis ist kein Kursziel, sondern ein Fächer: fünf Perzentile über den gewählten Horizont, dazu der Anteil der Läufe, die im Minus endeten. Ein Werkzeug zum Nachdenken vor einer Entscheidung — und ausdrücklich keine Anlageberatung.
Vier Eckwerte.
Vier Entscheidungen im Rechenkern.
Jede davon liesse sich auch anders treffen. Sie stehen hier mitsamt dem Grund, warum sie so und nicht anders getroffen wurden.
Ganze Monatsblöcke statt einzelner Monate
Ein klassischer Bootstrap zieht einzelne Monate mit Zurücklegen und hängt sie aneinander. Damit zerfällt genau das, was Märkte ausmacht: schlechte Monate kommen selten allein. Wer sie einzeln neu mischt, mittelt Serien weg und bekommt zu enge Bänder.
Prisma zieht darum zusammenhängende Blöcke aus der Historie. Innerhalb eines Blocks bleibt die echte Reihenfolge stehen, gewürfelt wird nur zwischen den Blöcken. Ein Absturz mit vier zähen Monaten danach bleibt ein Absturz mit vier zähen Monaten danach. Der Blockstart liegt immer so, dass der Block vollständig in die Historie passt — kein Umbruch vom Ende zurück an den Anfang, denn dieser Übergang hat nie stattgefunden.
Crash-Monate liegen so oft in der Urne, wie sie passiert sind
Der naheliegende Weg wäre eine Glockenkurve mit gemessenem Mittelwert und gemessener Streuung. Sie ist verführerisch, weil sie glatt aussieht — und sie ist an genau der Stelle falsch, an der es zählt: sie drückt die Ränder platt. Ein Monat wie der Oktober 1987 oder der März 2020 landet darin bei einer Wahrscheinlichkeit nahe null.
Beim Bootstrap gibt es keine Verteilungsannahme. Jeder eingetretene Monat liegt genau so oft in der Urne, wie er eingetreten ist. Die Ränder des Ergebnisses sind damit so rau wie die Geschichte des Titels und nicht so glatt wie eine Formel.
Nie weiter nach vorn, als die Daten zurückreichen
Ein Titel mit sechs Jahren Kurshistorie bekommt sechs Jahre Horizont, keine zehn. Das Eingabefeld sagt die Grenze für den gewählten Titel selbst an, statt eine zu grosse Zahl stillschweigend zu akzeptieren.
Die Alternative wäre gewesen, weiter zu rechnen und dafür die historische Rendite künstlich zu dämpfen. Genau das ist bewusst unterblieben: eine gedämpfte Fortschreibung ist eine Prognose, und eine Prognose ist Prisma nicht. Lieber ein kurzer, gedeckter Horizont als ein langer, der so tut als ob.
Gleiche Eingabe, gleiches Ergebnis — immer
Der Zufallsgenerator läuft mit einem festen Startwert. Zweimal dieselbe Eingabe liefert zweimal dieselben Bänder, auf die Nachkommastelle. Das ist keine Kosmetik: eine Bandbreite, die bei jedem Klick leicht anders aussieht, lädt dazu ein, so lange zu klicken, bis das Ergebnis gefällt.
Es macht die Rechnung ausserdem überhaupt erst prüfbar. Der Rechenkern liegt als eigene Datei ohne DOM- und Datenbank-Abhängigkeiten daneben und wird von einem Skript gegen seine Invarianten geprüft — Perzentil-Ordnung, bekannte Verteilungen, Verhalten bei Nullrendite. Mitsamt Gegenprobe: wird der Zieher absichtlich kaputt gemacht, muss die Prüfung fehlschlagen, sonst prüft sie nichts.
Von der Eingabe zum Fächer.
Kursreihe holen
Titel, Betrag und Horizont eingeben. Die Monatsreihe kommt dividendenbereinigt über eine eigene Serverfunktion und wird zwischengespeichert — der reine Schlusskurs würde jeden Dividendentitel systematisch schlechter aussehen lassen, als er war.
Reihe prüfen
Vor dem Rechnen läuft eine Plausibilitätsprüfung: fehlende oder doppelte Monate, unsortierte Reihen, unmögliche Kurse, ein veralteter Stand. Auffällige Monatssprünge werden gemeldet, aber nicht entfernt — meist sind es echte Marktereignisse.
Blöcke ziehen
Aus den Monatsrenditen werden zusammenhängende Blöcke gezogen und aneinandergehängt, bis der Horizont voll ist. Ein paar tausend Mal, mit festem Startwert.
Fächer zeigen
Aus allen Läufen entstehen fünf Perzentilverläufe, die Endwerttabelle und der Anteil der Läufe im Minus. Dazu die Einordnung in Worten — und der Hinweis, worauf man sich dabei nicht verlassen sollte.
Die Lücken stehen im Werkzeug,
nicht im Kleingedruckten.
In der App steht dieser Abschnitt fest über dem Ergebnis und nicht als Fussnote darunter — wer die Zahlen zuerst liest, liest die Einordnung nicht mehr. Hier gilt dasselbe.
Zwei Teile, die nicht simulieren.
Eine Simulation beantwortet die Frage vor dem Entscheid. Diese beiden beantworten die Fragen danach — und die, die man sich über mehrere Positionen hinweg stellen müsste.
Der Grund wird notiert, bevor das Ergebnis bekannt ist
Festgehalten werden echte Entscheidungen, keine Simulationen: was getan wurde, warum, was erwartet wurde, und woran sich zeigen würde, dass die Überlegung falsch war. Aufgeschrieben vorher — ohne den vorher notierten Grund erinnert man sich später an einen, der zum Ergebnis passt.
Beim Rückblick wird der Prozess getrennt vom Ausgang bewertet. Ein sauber begründeter Entscheid kann schlecht ausgehen, ein leichtsinniger kann aufgehen; wer beides in eine Note zusammenzieht, lernt aus dem Zufall statt aus dem Denken. Die Erinnerung an fällige Rückblicke steht bewusst nur in der App und geht nicht per Mail — ein Reminder über einen zweiten Kanal kann still ausfallen, ein Kasten auf der Startansicht nicht.
Vier Positionen sind nicht automatisch vier Wetten
Der einzige Teil, der über alle gemerkten Positionen rechnet, und zwar ohne Auswahl — eine Auswahl wäre die Einladung, den unbequemen Titel wegzuklicken. Gezeigt wird, welchen Anteil jeder Titel, jede Anlageart und jede Handelswährung an der Gesamtsumme hat.
Dazu eine Korrelationsmatrix aller Paare über die gemeinsamen Monate ihrer Historien. Stark gekoppelte Titel fallen zusammen, und zwar genau dann, wenn es darauf ankommt. Gibt es zu wenig gemeinsame Historie, steht dort «zu kurz» statt einer Zahl — aus einem Jahr gemeinsamer Daten lässt sich jede beliebige Korrelation herauswürfeln, und ein Ersatzwert sähe aus wie eine Messung.
Drei Ansichten aus dem Werkzeug.
Die Bilder folgen. Sie kommen aus der laufenden Anwendung mit echten Kursreihen — nachgebaute Screenshots wären bei einem Werkzeug, das mit echten Zahlen rechnet, eine Falschaussage.
Die Bänder
Zehn bis neunzig Prozent der Läufe als äussere Fläche, fünfundzwanzig bis fünfundsiebzig als innere, der Median als Linie darüber. Wahlweise mit logarithmischer Achse.
Das Journal
Entscheid, Begründung und Erwartung von damals, darunter der später eingetragene Rückblick und die getrennte Bewertung des Prozesses.
Der Portfolio-Blick
Klumpenrisiko nach Titel, Anlageart und Währung, dazu die Matrix mit hervorgehobenen Paaren über der Warnschwelle.
Gebaut, um sich selbst zu widersprechen.
Der grösste Teil der Arbeit an Prisma. steckt nicht in der Simulation, sondern in den Stellen, an denen sie sich zurückhält: im Horizont, der nicht weiter reicht als die Daten. In der Korrelation, die «zu kurz» sagt statt eine Zahl zu zeigen. Im Disclaimer, der über dem Ergebnis steht und nicht darunter.
Ein Werkzeug, das Zukunftszahlen ausgibt, ist leicht zu bauen. Eines, das an den richtigen Stellen zugibt, dass es nichts weiss, ist die eigentliche Aufgabe.
Prisma. ist Teil von Marcher Lab. — bleibt aber intern und wird nicht angeboten. Die verfügbaren Werkzeuge stehen auf der Startseite.